Gelingender Unterricht oder die Versuchung ein guter Lehrer zu sein

Im Interview mit Gerald Hüther

ist zu hören, dass „Unterricht“ so wie wir ihn machen nicht funktioniert, dass man Menschen überhaupt nicht „unterrichten“ kann. Was macht es dann aus, Lehrer zu sein? Wann gelingt Bildung?

In der Reportage von Quarks & co gestern abend (http://www.wdr.de/tv/quarks/) „Der Lehrer, das unbekannte Wesen“ wurden Schüler gefragt, wie der gute Lehrer sei.

Sie gaben Antworten wie: es soll nett sein, mittelstreng, keine Hausaufgaben geben, …

und gezeigt wurden „gute“ Lehrer, die Projektunterricht machen, immer super vorbereitet in den Unterricht gehen und die Schüler Schritt für Schritt durch ihren Plan mitnehmen, Lehrer, die Hörspiele für ihre Klasse schreiben und dann die Klasse diese Hörspiele brav auswendig lernt und sie nach Anleitung des Lehrers in genau der richtigen Betonung aufnimmt.

Programmiertes Lernen – immer noch –

Der Moderator hat zu recht betont, wie wichtig es ist für „gute“ Lehrer authentisch zu sein, zu sich zu stehen, für die Schüler als Mensch da zu sein. Und diese Lehrer haben eine Liebe für ihre Schüler und ihren Beruf, das war gut zu spüren. Und frage mich, was das höchste Potenzial ist.

Ich glaube darüber hinaus braucht es auch den Mut, mit seinem ganzen Fachwissen da zu sein und trotzdem der Versuchung zu widerstehen, das alles in die Köpfe der Kinder bringen zu wollen. Das heißt sie mit Respekt zu behandeln und sie zu sehen zu erkennen, wo ihre Stärken und Schwächen sind und was sie gerade leisten können und wollen. Ich denke, es braucht mehr als super toll vorbereitete Stunden, wo der Lehrer sich und der Klasse – und dem Kollegium – beweist, was er tolles kann. Und gleichzeitig sollen und dürfen diese auch sein, nur eben nicht immer. Der Anspruch dies immer zu tun führt Lehrer auch schnell in die Überforderung…

Was wäre, wenn die Klasse ihr eigenes Hörspiel schreibt? Und nicht das des Lehrers auswendig lernt? Wenn es tatsächlich einen Freiraum gibt, wo sich die Schüler einbringen können, ihren Neigungen nachgehen können und sich mit dem beschäftigen und sich auf das konzentrieren, was sie wirklich interessiert? Und das Ganze auf ein Ziel ausgerichtet ist, wo es um etwas geht, und die Arbeit des einzelnen die ganze Gruppe voran bringt.

Die Frage ist: Wer bin ich dann als Lehrer? Woraus beziehe ich dann mein Selbstbild? Wann weiß ich, dass ich „gut“ bin?

Da gilt es neue Kriterien zu entwickeln. Wie kann sonst Entwicklung stattfinden, wenn alle immer das lernen, was die anderen davor auch schon gelernt haben???

Ein Kriterium für einen guten Lehrer im neuen Bewusstsein ist zum Beispiel, dass ich den Entwicklungsstand eines Kindes begleite und mich an seinen Schritten erfreue und nicht erwarte, dass alle das Gleiche können müssen, um „gut“ zu sein. Es heißt auch, dem „gut“ sein nicht mehr so viel Bedeutung beizumessen, auch nicht dem eigenen. Dann kann Entspannung eintreten, für alle.

 

Einen entspannten Tag!

 

Silke

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s