Einen brauchst du, der dich sehen kann und der an dich glaubt…

Heute rief mich ein Schüler an, Abijahrgang 2004, ja, es sei wohl etwas kurzfristig, aber er wolle doch Bescheid geben, er stelle jetzt sein Gesellenstück aus…

Das hat mich sehr berührt.

Nach einigen Jahren und Fehlversuchen im Studium ist er nun – endlich- beim Schreinern gelandet. Dieser Schüler war in meinem Leistungskurs in Chemie, mit einigem Fleiß und Schwierigkeiten. Ich kannte einige seiner Werke aus dem Kunstunterricht und wusste intuitiv, er sollte mit Holz arbeiten, ich hatte ein ganz klares Bild, wie er den Hobel in der Hand hält. Wir hatten eine Weile nach dem Abi ein Gespräch, er hatte ein Studium angefangen, war unzufrieden. Ich habe ihm von meinem Bild erzählt. Und ihm gesagt, wenn er seine ersten Stücke fertig hätte, würde ich auf jeden Fall kommen und sie mir anschaun. Es hat wohl noch einige Umwege gebraucht, aber jetzt scheint die Lehre abgeschlossen zu sein.

Manchmal kann ist es klar  zu „sehen“, fühlen, ahnen, welchen Platz ein Mensch gut ausfüllen kann, was für ihn gut ist und was nicht. Und oft liege man dabei am Ende gar nicht falsch.

Zufall?

Ich glaube, dass wir alle die Fähigkeit besitzen, anderen auf der Suche nach ihrem Platz wichtige Hinweise geben zu können. Das ist für mich eine spirituelle Komponente der Potentialentfaltung, eine Fähigkeit, die wir als Lehrer oder zukünftige Potenzialentfalter/Lernbegleiter/ EducAgents… trainieren können. Die Fähigkeit, den Menschen als Ganzes zu sehen, sich tief auf ihn einzustimmen bis wir eine Ahnung davon bekommen, wie die Welt aus den Augen des Gegenübers aussieht, bis wir eine Ahnung davon bekommen, was das Wesen dieses Menschen ausmacht. Einen Einblick in das, was diese Seele mitbringt. Und Spiegel zu sein, Dinge auszusprechen, die wir wahrnehmen auf einer tiefen, eingestimmten Ebene.

Und wir merken es , wenn jemand etwas zu uns sagt, das uns die Richtung weisen kann.

Obwohl ich in der Grundschule bei weitem nicht die Klassen-Beste war, hat meine Lehrerin – Frau Neumann –  damals meinen Eltern gesagt, die fragten, ob ich denn das Gymnasium schaffen könnte: wenn es eine schafft, dann Silke. Und so war es auch.

Und ich kann mich bis heute daran erinnern, dass mein erster Englisch Lehrer in der 5. Klasse dann auf dem Gymnasium, Father John, Gott hab ihn selig, zu mir oft sagte: Silka, de Professo in di Ecka….

Ich habe das Gefühl, dass diese Menschen an mich glaubten, und dass sie etwas in mir gesehen haben, das ich – noch nicht – sehen konnte, und mir so ein Wegweiser waren, vielleicht noch sind… das mit dem Professor ist auf halben Wege ins Stocken geraten 🙂 … . Heute, im Alltag in der Schule merke ich immer wieder, welchen Einfluss es hat, wenn man an einen Schüler glaubt, wenn man seine Wahrnehmungen ausspricht, wenn sich Schüler gesehen fühlen. Und gleichzeitig frage ich mich, ob es eine beobachtende Rolle ist, oder ob ich dadurch, dass ich Wahrnehmungen ausspreche auch eingreife… Wahrscheinlich ist es beides.

Mit vielen meiner Schülern fühle ich mich heute immer noch verbunden. Vor allem mit denen, die mir näher waren, die ich gut kannte, mit denen ich viel erlebt habe, die ich gesehen habe. Und ich kann leicht mit der inneren Qualität dieser Menschen in Kontakt treten, mich erinnern an das Wesen. Es sind wie Fäden, die von meinem Herzen weggehen und eine feine Verbindung halten. Manchmal frage ich mich, wie das gehen kann, zu so vielen Menschen…

Alle Menschen, die uns sehen und die an uns glauben, haben selbst Menschen, die das für sie tun. So können wir uns gegenseitig helfen, unseren Weg zu gehen. Und in sofern stimmt für mich auch der Begriff von Lehrer und Schüler immer weniger. Ja, mal ist der eine, mal der andere in etwas voraus, sei es Wissen oder Erfahrung. Auf einer tieferen Ebene spielt das keine Rolle mehr. Da sind wir Seelen, die sich den Weg weisen.

Morgen mittag gehe ich nun also zur Ausstellung, und schaue mir das Gesellenstück an, zufällig bin ich das Wochenende gerade in Lorsch, habe zufällig ein bisschen Zeit und  zufällig findet die Ausstellung in Lorsch statt…

Zufälle…

Ich freue mich…

Ergebnis:

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