Abi, abi, abi, abituuuur – juhu ich habe mein Leben wieder

…das war der Spruch meiner Tochter nach dem bestandenen Abitur…

Die Abiturfeier meiner Tochter…

fing erstmal ungewöhnlich an. Der Sprecher der Schüler rechnete vor, dass da auf der Bühne 158 Schülerinnen und Schüler stehen, für jeden gab der Staat im Schnitt bisher 65.000 € aus, so dass eine stattliche Summe von 10.270.000 € versammelt ist. Und damit ja nicht genug, nun beginnt ja für viele noch ein Studium…

Wow.

Allerdings tauchte in mir nicht die Frage auf, ob sie es denn wert seien. Ich war beeindruckt davon, was sie zustande gebracht haben. Prüfungen zum Teil mit Glanzleistungen abgelegt, Chor- und Orchesterwettbewerbe, Jugend trainiert für Olympia, Fremdsprachentheater, eine Feier und einen Ball organisieren, mit etlichen 10.ooo € hantieren, eine Band organisieren, eine eigene ins Leben rufen (und die war richtig gut!), Essen, Programm, Reden… und die Reden der Schüler waren mit Abstand die besten des Abends!

Die Schüler haben andere Schüler geehrt und sich bedankt, aber auch den Sekretärinnen und etlichen Lehrern ein Dankeschön ausgesprochen. Insgesamt herrschte eine Atmosphäre der Achtsamkeit und gegenseitigen Wertschätzung. Und wenn man sich die Lehrer anschaute, hat man auch gespürt, wie stolz sie waren. Man konnte merken, dass da in den drei Jahren Oberstufe etwas gewachsen war. Und es ist gut, wenn es dort Lehrer gibt, die ihren Job von Herzen gerne machen, die einfach Lust haben, mit diesen tollen jungen Menschen zu arbeiten.

Da merke ich auch, dass ich darauf Lust habe … und wenn ich dann an die Praxis denke mit den Beschränkungen und all der Motivationsarbeit, die Bürokratie, die endlosen Korrekturen, so viel sinnloses Zeug, dessen ich müde bin… dann kann ich mich und den Entschluss, weiter Pause zu machen vom Schulbetrieb verstehen. Ich wünsche mir so sehr, dass Schule der Ort des gemeinsamen Lernens wird, wo Schüler aber auch Lehrer Potenziale entfalten können, wo es eine lebendige Schulgemeinde gibt, wo Lernen auch außerhalb der Stunden stattfindet, wo Experten ihr Wissen einbringen können von außen, wo am Ende nicht nur die Schüler geehrt werden , die hervorragende Ergebnisse in Wettbewerben erzielt haben, sondern wo jeder Schüler als das einzigartige Juwel erkannt wurde, dass er ist und mit der Klarheit, wer er ist und was er kann in die Welt geht…

Als mein erster Leistungskurs die Schule verlassen hat, wurde mir schmerzlich bewusst, dass all diese jungen Menschen, die mir ans Herz gewachsen waren, jetzt voller Ideen und Pläne in ein neues Leben starten – und ich da bleibe. Und bald den nächsten Leistungskurs habe. Ich habe gebeten, damit ein Jahr zu warten, damit ich nicht in Versuchung komme, Vergleiche zu ziehen.  Ich bin auf Zeit eine intensive Bindung eingegangen und plötzlich sind alle weg, meine Gruppe…Ich habe tatsächlich ein bisschen Zeit gebraucht, um den Abschied zu betrauern. Und ich habe bemerkt, dass ich mich im Laufe der Jahre weniger eingelassen habe, verbranntes Kind… Ich glaube, das ist ein Thema, mit dem man sich noch wenig auseinander gesetzt hat in Schule. Und ich denke, für Lehrer wäre es ab und zu gut, auch raus zu gehen und ihre Pläne zu verfolgen – und dann  wieder zu kommen – oder auch nicht. Hier müssten die Übergänge fließender werden. Für die, die die Sehnsucht nach dem Leben mit den Schülern teilen. Ich gehöre dazu.

Viele Grüße an alle da draußen, die einen tollen Job machen, weil ihnen die Menschen wichtiger sind als die Organisation und die Inhalte.

Ich freue mich, wenn ich viele (wieder) treffen kann auf dem Celebrate Life Festival

http://www.celebrate-life.info/2012/de/

Silke

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