Wenn Menschen nicht mehr erreichbar sind – Gedanken nach der Flugzeugkatastrophe

Ich höre die Nachrichten und kann es kaum glauben. Ein Pilot leitet absichtlich den Sinkflug ein und nimmt 149 Menschen mit in den Tod. Sein Kollege will zurück in Cockpit, und hämmert an die Tür – kein Antwort, keine Reaktion. Dieser Mensch ist nicht mehr erreichbar. Ist er sich in diesem Moment dessen bewusst was er gerade tut? Kann er das Ausmaß erfassen von Leid, das er damit auslöst? Was fühlt er in diesem Moment? Oder hat er sein Fühlen komplett ausgeschalten?

Ich frage mich wie es mir geht, wenn ich das höre. Was nehme ich wahr? Lasse ich es zu mich tief von dieser Nachricht berühren zu lassen?

Schweigeminute

Ich versuche mir vorzustellen, was nicht vorstellbar ist, meine Gedanken schweifen ab, ich suche im Kopf nach Erklärungen. Denken statt Fühlen. Ein Versuch das Leid von mir fern zu halten. Ganz normal, oder? Wie kann es dazu kommen – ein gesellschaftliches Phänomen…

In einem Kommentar zu den Berichten lese ich:

Natürlich können auch Piloten, Schiffskapitäne oder Reisebusfahrer Depressionen haben, nur war bislang davon auszugehen, dass sie dann immer noch genügend Verantwortungsgefühl aufbringen, um nicht unzählige Menschen mit in den Tod zu reißen. Sollte es wirklich ein Selbstmord gewesen sein, so träfe das die Luftfahrt schwerwiegend, denn wie bitte, soll man sich vor Piloten schützen, die ein Flugzeug als Selbstmordwaffe benutzen.

Das bringt mich zum Nachdenken über Schule und unser Bildungssystem:

Natürlich können LehrerInnen Depressionen haben, und/oder sie können ihr Fühlen abschalten. Die meisten werden sich nicht gleich umbringen… Aber vielleicht in einen Zustand kommen, in dem etwas in ihnen abstirbt, wo sich sich taub machen und stumpf, wo sie nicht mehr fühlen wollen, wie es ihnen eigentlich wirklich geht, in einem System, das keinen Respekt mehr hat vor den Menschen, vor ihrer Würde, ihrer Gesundheit, ihrer Belastbarkeit und ihrem Wunsch nach Entfaltung.

Der Schritt in die Veränderung ist meiner Meinung nach ein Schritt in die radikale (Selbst) Verantwortung. Alles was wir selbst noch aushalten zwingt andere dazu, es auch auszuhalten, auszuharren ins einem System, in dem man nicht ausharren sollte – und unsere Kinder erst Recht nicht. Wenn wir so weiter machen, reissen wir sie mit. Nicht unbedingt in den Tod, aber in ein angepasstes Leben von Einheitlichkeit und Desinteresse, wo wir verlernen, uns zu fragen, was wir eigentlich wirklich wollen

Was wir in Schulen brauchen ist, dass wir das Fühlen wieder zulassen, dass wir uns mitteilen wie es uns geht und es nicht verstecken aus Scham nicht zu genügen. Und da Kinder immer vom Vorbild lernen, heißt das: Lehrer und Lernbegleiter sollten das Fühlen wieder lernen, es zulassen, berührter und verletzlich sein, und damit zu Vorbildern werden. Damit nicht mehr passieren kann, was so oft passiert, wenn wir von dem was wir fühlen abgeschnitten sind. Tausende kranke und depressive Schüler und Lehrer sind Katastrophe genug. Was tun wir uns da nur an???

how_to_learn

Was wäre, wenn wir das Fühlen wieder zulassen würden? Wenn wir in den Klassenraum kommen und bemerken wie es Eva oder Ali geht, und wie es uns damit geht, und dann einfach nicht mehr unseren Stoff „durchziehen“ können? Vielleicht wäre das der Anfang des Endes vom Wahnsinn… Nur durch Beschweren und selbst krank werden wird sich nichts ändern.

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